René Vögtli B.L.O.G. 
 
 
 
10.01.2007 um 09:45:

Vertrauen ist gut ...

Am Neujahrstag war ich in der Jesuitenkirche, wo Solisten, Jungend- sowie Chor und Orchester des Collegium Musicum die Messe bereicherten. Höhepunkt allerdings war die Predigt vom Präfekt. P. Dr. Hansruedi Kleiber griff den Glaubensbegriff auf und verknüpfte ihn mit dem lateinischen Wort fiducia, Vertrauen, indem auch die Treue zu Hause ist. Einführend schilderte er wie Menschen allzu oft die Verantwortung für das eigene Leben delegieren, sich gegen alles und für jedes ver- und absichern; ja, er griff das populistische Schlagwort „Vertrauen ist gut – Kontrolle besser“ auf, um zu illustrieren, wie weit wir vom Vertrauen weggerückt sind. Sein Credo ging dahin, Vertrauen wieder zuzulassen. Er spann seinen Faden weiter, dessen theologischen Aussagen hier wiederzugeben ich mich nicht als qualifiziert erachte. Jedenfalls haben sie mich tief beeindruckt. Auf mein eigenes tägliches Leben übersetzt hat es mich besonders berührt, wie der Prediger vermittelte, dass Vertrauen unser eigenes Tun weder ersetzt noch widerspricht. Und es hat mich im Akzeptieren gestärkt, dass gelebtes Vertrauen in uns selbst sowie in den Menschen, denen wir unser Vertrauen schenken, ungeahnte Fähigkeiten freisetzt. Dass ein Prediger in der Kirche etwas sagt, das konkrete Hilfeleistung im täglichen Leben ist, mag manch einen nicht überraschen. Oder gerade erst recht. Das ist natürlich oft lediglich Betrachtungs-, Einstellungssache. In sich überrascht es mich persönlich nicht, denn das wünsche ich mir eigentlich von sogenannten Seelsorgern. Spannend finde ich, wenn eine Kernaussage in der Kirche sich mit denen aus anderen Bereichen spiegelt. Es ist witzig zu beobachten, wie zum Beispiel Wirtschaftskapitäne (unkontrollierte, gleitende Arbeitszeit steigert die Effizienz um 30%) oder Sozialwissenschaftler (vertrauende Kooperation innerhalb einer Gemeinschaft fördert Produktion) die gleiche Erkenntnis wie Theologen aussprechen. Ist es das Resultat von gegenseitiger Befruchtung oder sind solche übereinstimmende Feststellungen Ausdruck unseres kollektiven Evolutionsstandes? Oder orientiert sich die Kirche bei Sportpsychologen (was in Anbetracht der fussballspielenden Vatikansmannschaft der Fall sein könnt)?
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