| Kleine Länder haben die Chance Pilotprojekt für grosse Ideen zu sein, bzw. zu lancieren. Skandinavische Länder zum Beispiel sind in den 70er und 80er Jahren neue Wege gegangen, etwa mit flachen Hierarchien in Unternehmungen, mit grosszügigen Sozialregelungen und mit Förderung von Wissenschaft. Norwegens Versuch mit den Einkommen aus der Erdöl- und Gaseinkommen ethisch umzugehen, sei als Beispiel aufgeführt.
Genauso könnte es die Schweiz tun – dies eines der Argumente der EU-Beitrittbefürworter, denn nur wer teilnimmt, kann sich eingeben und etwas verändern. Und – um fair zu sein – in gewissen Bereichen tut sie das auch; primär in humanitären Belangen oder in der diplomatischen Arena. Insbesondere unsere Aussenministerin Michelle Calmy-Rey bringt frischen Wind in die Bude. Lange habe ich darüber nachgedacht, was ich vom Kopftuch denken soll, welches sie bei ihrem Iran-Besuch getragen hat. Nach einem Interview im Fernsehen habe ich den Eindruck, dass sie entgegen political correctness und entgegen dem Opportunismus und Populismus von Rechts die Freiheit der Frau einfach nicht auf das Kopftuch reduzieren – und degradieren lässt.
Mein Eindruck ist, dass Frau Calmy-Rey den Mut zu kooperieren hat zwischen ausgegrenzten Gemeinschaften und der Normalität, zwischen Desperados und Mainstream. Letztlich ist es ja das Allerdümmste schlechthin wenn man den Dialog mit denen verweigert, mit denen man nicht einverstanden ist. Das kann nur zur Polarisierung führen und damit letztendlich zu Krieg. Sie scheint ein gutes Gegengewicht darzustellen zu jenen Interessengruppen, die Angst und Feindbild kultivieren, um die eigenen Kriegsaktivitäten gegenüber dem Nachbarn zu kaschieren. Ich denke an die Lobbygruppen, welche international und über Tage ein Seitengrosses Inserat (selber wählen bitte) lancierten, um ein Feindbild und die damit komplex verknüpften Eigeninteressen zu schüren.
Es gibt Männer und Frauen die Kraft ihrer Courage grosse Änderung herbeiführen; man denke an den Afrikaner Nelson Mandela, sein Vorbild Mahathma Gandhi in Indien, Mutter Theresa aus Mazedonien oder den Dalai Lama aus Tibet. (übrigens, können Sie spontan eine vergleichbare Persönlichkeit aus der sogenannten 1. Welt benennen?) Ihre Kernphilosophie widerspricht oft Konventionen und Altherkömmlichem, nicht selten werden sie von Zeitgenossen als Spinner angesehen. „Passiver Widerstand das bringt doch nichts!“, „Von nichts kommt nichts.“, „Mensch = Homo oeconomicus.“ „Vision = Illusion.“ sind Beispiele von milden, zynischen und gar gut gemeinten Aussagen die ihnen entgegengehalten wurden. Nicht wenige Weltverbesserer (räusper) haben schlimmeres erduldet, wurden zusammen mit Gleichgesinnten ausgemerzt.
Umso erfrischender wenn Mutiges geschieht. In meiner Blog-Serie ums Träumen (Februar 07) erwähnte ich Rigoberta Menchu, die als erste Frau und als erste Indianerin Guatemalas Präsidentin werden will. Heute möchte ich meine Leser auf den nicht unpolemischen Kolumbianischen Philosophen und Politiker Antanas Mockus aufmerksam machen. Ein lustiger, wenn auch älterer Bericht auf Englisch gibt es Hier. Was mich neben seinen Clownerien, Provokationen und dem Frauentag beeindruckt hat, sind seine Innovationen, die mitunter freiwillige(!) Steuer beinhalten, die in seiner Amtszeit als Bürgermeister von Bogota 10% der Steuereinnahmen ausmachten.
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