| „Ich hab’s ja gesagt“ klingt all zu gerne nach Besserwisserei. Und in meinem Fall ist es eh zu früh zu jubilieren. Ich hab mich aber trotzdem ob dem Bild in der heutigen Tageszeitung gefreut, das doch meinem Traum vom 16.2.07(!) sehr nah kommt, ja einen Teil dessen gar bewahrheitet.
Ich gestehe allerdings auch ein, dass ich gestern in der Tageszeitung beim Bericht über einen jungen, engagierten, grünen Politiker, der vom Schweizer Touring Club (TCS) hemmungslos angegriffen wird, an einen Albtraum erinnert wurde: nämlich an die National Riffle Association (NRA) in Amerika, welche mit ihrem Waffenwahn und halluzinatösen Cowboy Verharmlosungen der Waffen eine ungeheure Macht ist, die den Traum durchaus gefährden kann.
Es freut mich ja, dass Obama Kandidat wurde. Sehr sogar. Allerdings erinnert sein Erfolg auch an eine meiner anderen Prophezeiungen, die im Grunde sehr traurig ist, nämlich dass Amerika eher parat ist einen Schwarzen als eine Frau als Präsidentin zu akzeptieren.
Der geneigte Leser hat diesen Eintrag längst als nicht „politisch“ erkannt. Die Politik dient hier bestenfalls als Austragungsstätte. Es geht um ganz anderes. Es geht um die Frage, wie wir die Welt verbessern können, wo wir hin wollen. Und um die Frage, wovon es gilt, uns zu befreien. Gerade im letzten Abschnitt kann man eine ganz grosse Herausforderung erkennen, die leidlich wenig mit Politik selber zu tun hat. Die Herausforderung, uns vom wahren Terror zu lösen, der Jahrtausende alt so viel Scheusal verursacht hat und die Menschheit geisselt heisst Patriarchat. Dieses drückt sich über Machtversessenheit und Gewaltglorifizierung aus. Sexismus ist „nur“ ein Teil dessen, allerdings der wohl aussagekräftigste.
Die Lösung des Patriarchats ist nicht matriarschische Dominanz. Wir haben genügend Beispiele von Machos im weiblichen Körper – ein Thema, das ich in meinem Blog immer wieder aufgreife. Es mag sein, dass das Pendel auf dem Wege zur befreienden Mitte vom extrem Männlichdominierten zum Gegenpol ausschlagen muss und dass das Yang sich nur neu definieren kann, wenn es sich völlig auflöst. Mag sein, dass der rechte Pol seine eigene Schattenseite ganzumfänglich im gleissenden Licht seines Gegenteiles erstmals völlig spüren muss, um sich von der verhärteten Position zu lösen. Mag sein, dass dies zwingend ist, ja dass Schmerzerfüllte Erkenntnis erst die Lösungsorientierte Richtung aufweisen kann. Mag auch sein, dass es andere Wege zum Heil gibt. Und – so denke ich – dass alles möglich ist.
Als Beobachter und Freund der Frauenemanzipation auf dem Befreiungsweg weg vom Patriarchat erfüllt es mich mit süss-sauren Gefühlen, wenn ich von Hillary höre, dass Sexismus über Rassismus in den USA herrscht. Dass sie eine Frau ist – und eben deswegen die Symbolik der Befreiung vom Männlichdominierten darstellen könnte – und mitunter (!) aus sexistischen Gründen die Kandidatur verloren hat, empfinde ich als ironisch-traurig einerseits. Handkehrum verkörpert Hillary, mit allem Respekt, in ihrer kriegerischen und kühlkalkulierten Art haargenau das patriarchisch geprägte System, welches es gilt loszulassen. So gesehen freut es mich, dass sie verloren hat.
Ich denke auch, dass das Argument, Frauen können sich im Patriarchat nur durchsetzen, wenn sie dessen Spielregeln beherrschen und einsetzen, zwar nachvollziehbar ist, aber doch zum Ziel haben sollte, dass das Einhalten dieser Spielregeln nur ein momentaner, taktischer Zug ist und es letztlich gilt, sich dann auch genau davon wieder zu lösen. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel verkörpert diese Hoffnung gelegentlich für mich. Sie beherrscht die Machtspiele der Männer, ist dabei selbst schon mal ganz Mann und hat entsprechend beim Fusball WM-Sommermärchen 06 mit allen männlichen Gesten gejubelt. Gestern Abend beim Spiel gegen Östereich hat sie anders gejubelt. Freudig, lachend, strahlend ohne das Schulterklopfende, Phallusgeprägte Faustballende. Ein Zeichen, dass sie sich daran erinnert, was das übergeordnete Ziel ist? Mein Wunsch, der oft Vater meiner Gedanken ist? Aber immerhin.
Die Alice Schwarzer hingegen zeigt gerade die schlimme, herrschsüchtige und Egobehaftete Fratze des Patriarchats – gerade sie. Ihre Aussage „man kann mich nicht ersetzen“ (in der Emma) war für mich als alter Emma-Freund erschütternd. Meine Tageszeitung druckte einen sehr guten Artikel zu diesem Thema, der auch Charlotte Roche und ihr Buch „Feuchtgebiete“ (das ich nicht gelesen habe) aufgreift und mit ihr eine Vertreterin der heutigen Emmas erwähnt. Ich habe den Eindruck, dass sie gerade dabei ist, ihr Lebenswerk mit Machoismus zu besudeln ähnlich wie das Bill Clinton im Wahlkampf seiner Frau getan hat.
Ja, es gibt ihn noch den Blogger René – auch wenn ich in letzter Zeit dies nicht im Cyberspace in Form von Pixel erscheinen habe lassen. |