René Vögtli B.L.O.G. 
 
 
 
10.05.2009 um 18:46:

Heuchler

Gut, Widersprüchiger wär wohl eine dezentere Betitelung, wobei ich dann aber die selbe Sünde beginge. Oder wie würden Sie einen bezeichnen, der folgenden Satz sagt: „… Lehrstuhl für Wirtschaftsethik ist zwar unnötig, aber weil er nun einmal besteht, werde ich mich bewerben, denn im Kern geht es um eine wichtige Sache.“ Ja, sie haben recht gelesen, schauen sie ruhig nach. Sie werden dort weiter folgendes lesen: „Ich begründe ohne Probleme, warum wir gerade aus ethischen Motiven ein Bankgeheimnis sowie die Unterscheidung von Steuerbetrug und -hinterziehung brauchen und warum wir das Prinzip des Shareholder-Value zur Sicherung der Wohlfahrt aufrechterhalten sollten.“ Dass er das „begründet“ und damit keine Probleme hat, bezweifelt keiner und ist wohl ungelogen. Dass die Gründe moralischen Werten nicht standhalten können, ist ein anderes Thema. Apropos Moral. Wenn er folgendes sagt, dann lügt er schlechthin: „Wissenschaftlich ist eine Moral nicht beweisbar“, denn Wissenschaftler haben nämlich nicht nur beim Menschen Moral (Gewissen) empirisch feststellen können sonder sogar bei Affen. Aber gut, bei diesem Menschen hat man es wohl nicht mal versucht. Statt Lügner sollte ich dann wohl eher Unwissender sagen. Sie erinnern sich noch um was es geht? Um den frei gewordenen Lehrstuhl für Wirtschaftsethik an der Uni St. Gallen. (Nein, ich lese die Referenzzeitung sonst nie. So lange Sie, werte Leserschaft, „nie“ dahingehend definieren können, dass 2, 3-mal im Jahr im Kaffeehaus, wenn ich alle Zeitungen anschaue, diese sich auch mal darunter befindet. Lao Tze sagte sinngemäss, man solle sich breit informieren (was für ihn bedeutete, den Feind zu studieren). Mit einer gesissen Schamesröte im Gesicht, dieses Boulevardblatt in meinem Blog zu erwähnen, suchte ich schnell noch in meiner Tageszeitung.) Huch, ich habe ganz vergessen, dass ich ja Leser ausserhalb der schweizerischen Landesgrenze in Deutschland habe, die den angesprochenen Politiker nicht kennen mögen. Sie haben ihn und sein Gedankengut im Kontext mit früheren Blogeinträgen schon kennen gelernt (Saubermann, Raubritter, Stiefelknecht und Brandstifter). Apropos Deutschland. Der hier namentlich nicht erwähne Politiker will sich um den Lehrstuhl in St. Gallen bewerben weil er befürchtet, dass ihn ein Deutscher (Ulrich Thielemann) erhalten könnte: Thielmann hat es gewagt Unpopuläres zum Bankgeheimnis zu sagen. Wissen Sie liebe Leser, ich würde hier keine derlei Negativkommentare machen wäre das Ganze ja nicht unglaublich komisch. Ja, das geht soweit, dass der Schweiz grösster Komiker mit dem Herrn Mitleid hat. Sie sollten das Interview lesen, denn darin kommt das Bankgeheimnis nochmals zur Rede. Mein letztes Zitat für heute daraus: „Er mag ein arroganter Typ sein und sich im Ton vergriffen haben – Peer Steinbrück hat in der Sache jedoch Recht. Wie würden wir reagieren, wenn unsere reichsten Leute das Geld im Ausland verstecken statt hier versteuern würden?“ Ich bin froh gibt es Komiker.
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