René Vögtli B.L.O.G. 
 
 
 
30.10.2009 um 18:19:

Die Mehrheit bestimmt …

….eher nicht. Mindestens nicht in einer, wie soll ich sagen, guten (?) Demokratie. Und selbstverständlich auch nicht andersrum, denn dann wäre es eine Diktatur. Wie schon oft in diesem Blog diskutiert (Suchfunktion oben rechts) ist das so eine Sache mit der Mehrheit und der Demokratie. Nichts ist einfacher zu erhalten als eine mehrheitsfähige Meinung; nichts ist einfacher zu manipulieren als „das Volk“; genauer: die Mehrheit eines Volkes. Die Geschichte hat es oft gezeigt. Eine Einstimmigkeit anzustreben, kann ein gefährliches Unterfangen sein. Zum einen läuft man Gefahr, eine Einheitsbrühe zu kreieren aus der heraus nix Gscheits wachsen kann. Und zum anderen fühlt sich eine Minderheit möglicherweise unter Druck, sich – dem Konsens zuliebe – anzub…. (beinahe hätte ich -biedern gesagt) sich anzupassen. Nichtsdestotrotz – Gefahren hin oder her – es ist ein hehres Ziel, Entscheidungen nicht einfach über den Kopf der Minderheit hinweg zu fällen, sondern diese möglichst mit einzubeziehen, zu berücksichtigen. Genauso ist es wahr, dass der Einzelne zwar gefordert ist, zu seiner Sache auch dann zu stehen, wenn sie wenig populistisch ist aber dabei auch verantwortungsbewusst für das Ganze zu denken. Das Ego steht da oft im Wege. Deshalb muss die Struktur / das System dem sprichwörtlich kleinen Mann zwar Platz und Schutz einräumen, gleichzeitig aber verhindern, dass ein Diktat des Votums entsteht. Und, wie eingangs gesagt, die Masse muss vor ihrer Massenmeinung bewahrt werden. Kein leichtes Unterfangen. Zugegeben. Trotzdem ist es in diesem Geiste erstrebenswert. Mein kleiner Text Sicherheit = Illusion = Gefahr von heute früh touchiert dieses Thema, denn er bezieht sich auf die Sicherheit, die Gesetze implizieren. Jede Struktur birgt inhärent Regeln, Gesetzte in sich. Gesetzte, die den Schwächsten innerhalb des Systems schützen sollen. Dieselben Gesetze können im Verlaufe der Zeit aber auch zu Illusionen mutieren, das Individuum tendenziell entmündigen, es in seiner Freiheit einengen. Auf dem Nachhauseweg von meinem Spaziergang heute Abend setzte ich mich in eine Bar und freute mich ausserordentlich, dass der Präsident des Roten Kreuzes, René Rhinow sich wesentlich tiefgründiger und eloquenter als ich es in meinen Blog-Einträgen vermag zum Thema geäussert hat. Er gab ihm den Titel „Wer Angst hat, will mehr Sicherheit.“. Hammermässig und schon fast brutal auf den Punkt bringt’s der Artikel „Freiheit, die ich meine“. Darin wird Reinhard K. Sprenger zitiert. Das Bonmot vom Zwerg – und damit hoffentlich Anreiz, dass Sie liebe Leser den Artikel lesen – muss hier noch Platz finden: Die Leute, die die Gesellschaft heute braucht, brauchen Freiheit, nicht Kontrolle. »Ein Staat, der die Bürger zu Zwergen macht, und sei es zu einem guten Zweck, wird eines Tages feststellen, dass sich mit kleinen Menschen keine großen Dinge erreichen lassen.« (John Stuart Mills) Die Verzwergung des freien Menschen, vermeintlich zum Zweck höherer Lebenssicherheit, gefährdet langfristige Sicherheit. Weil mit dem Menschentyp, den der Staat propagiert, kein Blumentopf zu gewinnen ist. Oder nur Blumentöpfe.

ergänzt am 30.10.2009 um 21:32:

Die Mehrheit bestimmt …

John Stuart Mills
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