René Vögtli B.L.O.G. 
 
 
 
07.02.2010 um 11:50:

Es lebe das Weibliche!

Alle Spitzenämter in der Schweiz werden dieses Jahr von Frauen belegt. Ja, wirklich! Unsere allerhöchste politische Stelle, was in gewissen Ländern als „Prime Minister, President oder Bundeskanzlerin“ bezeichnet wird (also Berlusconi, Obama, Merkel) das ist bei uns der Bundespräsident. Oder eben dieses Jahr Bundespräsidentin, Frau Doris Leuthard. Das Präsidium unserer beiden parlamentarischen Kammern (National- und Ständerat) ist ebenfalls in den Händen von Frauen. Das wurde gestern ausgiebig und zu Recht im Bundeshaus von Frauen gefeiert. Ganz gut für ein Land, dass das Frauenstimmrecht unlängst erst einführte. Jahrtausende des Patriarchats sind am ausklingen. Das ist ein guter Grund zu feiern. Und dass wir Männer in gewissen Ritualen wie das im Bundeshaus ausgeschlossen sind, das scheint mir fair und richtig. Passend dazu obiger Titel. Gut, natürlich ist das Ende des Patriarchats nur gesichert, wenn die Frauen nicht einfach nur die Hosen anziehen, sprich, sich männliches Gebaren im negativen Sinne aneignen (Unterdrückung, Raubtierkapitalismus, etc.; es lief mir kalt den Rücken runter als heute die Frauenfeier unter der Überschrift „Frauenpower“ ( klingelt’s?) angekündigt wurde; kam mir jedenfalls bekannt vor, denn ich erlebte es noch als Feministinnen vor wenigen Jahren gegen die Bezeichnung „Manpower“ (damals = Arbeitskraft) mit der Begründung angekämpft hatten, Frauen seien auch Menschen, hätten auch Kraft und sind fähig zu Arbeit). Ironischerweise publizierten Soziologen praktisch gleichzeitig mit besagter Frauenfeier unter der Überschrift „Dem Zeitgeist entsprechend ist das Weibliche heute mehr wert als das Männliche“. Ja, denken Sie jetzt vielleicht, das entbehrt einer gewissen Logik nicht. Das Pendel ist jetzt mal in die andere Richtung geschlagen. Und Recht haben sie. So war das in der Vergangenheit. Druck = Gegendruck, Auge um Auge. Gut möglich, dass es das brauchte, dass es anders nicht ging, dass der Kampf (!) der Feministinnen notwendig war, ja, dass es sogar unumgänglich war, in gewissen Aspekten über das Ziel hinauszuschiessen, um das Momentum unwiderruflich in Gang zu bringen. Gut möglich, dass ein Mindestmass an Opfer von uns Männern gerechtfertigt war und es vielleicht nach wie vor unserer Sühne bedarf, um wenn auch nur eine symbolische Wiedergutmachung zu leisten. Vergebung, der radikalsten Art wird letztlich Grundvoraussetzung werden für alle Beteiligten. Aber nur, weil die Menschheit dem Diktat des Pendelschlages in der Vergangenheit folgte, heisst es doch nicht, dass die Zukunft den selben Mechanismen unterliegen muss. Mindestens nicht in meiner Denke. Ich jedenfalls will in meiner Männlichkeit immer mehr ruhen, zu männlichen Attributen stehen, das Mannsein ehren und ich will den Frauen in ihrer Weiblichkeit und weiblichen Eigenschaften denselben Respekt entgegenbringen. Freuen würde es mich, wenn mir die Frauen genauso begegnen würden. Und – wie ich mein Leben erlebe – darf ich solchen Frauen begegnen. Danke. So, denke ich, erübrigt sich irgendwann das Tauziehen der Geschlechter und neue Paradigmen, neue Lebensformen können sich entfalten. Kooperation (gutes Stichwort für die Suchfunktion oben rechts) wird zur einer realistischen Möglichkeit mit dem Ziel win – win. Sogar im Individuum selbst, denn letztlich ist keine Frau nur Yin und kein Mann nur Yang. Wir haben beides zu ziemlich gleichen Teilen in uns. Stell Dir vor, einzig und alleine in Deinem eigenen Wesen kämen die beiden Seiten wirklich zueinander, sozusagen in Einklang…. Wenn das Pendel nicht mehr schlagen braucht – wow! – dann brauchen wir es nicht mehr. Was dann wohl kommt? Ich jedenfalls freue mich darauf. Es lebe die Yin! Und der Yang genauso.
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