01.02.2007 um
21:55:
Schizophrenie. Für 10.-! Oder waren es 500.-? (Sowie ein Rätsel) |
| Schizophrenie ist eine Gummidiagnose, die erst neuzeitlich klarer definiert wurde (hier als PDF). Man erinnere sich daran, dass vor Sigmund Freud gewisse Menschen einfach als „besessen“ erklärt wurden und in der ehemaligen UDSSR politische Ungleichgesinnung (!) eine Eintrittskarte für die Staatsklapse war. Im Katholizismus ist Exorzismus spätestens seit der Wiederentdeckung des Teufels während der Ägide des polnischen Papstes mit deutschem Dogmaschreiber wieder hoch aktuell. Das Wort „Staatsklapse“ gewinnt in der momentanen amerikanischen Politik einen neuen Sinn, ist doch damit eher das Weisse Haus selbst gemeint, das Verantwortung für z.B. Guantanomo inne hat.
Schizophrenie macht uns vielleicht besonders Angst, weil wir als multiple Persönlichkeiten der Problematik täglich hautnah ausgesetzt sind. Dazu haben psychische Krankheiten oft einen besonders beängstigende Wirkung weil bei schwerwiegenden Psychosen alles aus dem Ruder zu laufen scheint (währenddem uns körperliche Beschwerden vermeintlich „einfacher“ oder mindestens „kontrollierbarer“ vorkommen).
Was sinniert er da? Wir alle hätten multiple Persönlichkeiten in uns? Genau! Ja, wie sonst erklären Sie sich, was ich heute erlebt habe:
Bäckerei, 15.15. Ich kaufe ein Stück Linzertorte (für mich) und einen Nussstängel (für meinen Sohn). Macht 3.80. Ich habe eine Zehnernote schon in der Hand, lege sie auf den Verkaufstresen und erinnere mich an das Kleingeld in meiner Tasche. Nach dreimaligem Nachzählen sind es immer noch nur 3.75. Aber ich klaube noch ein Fünferchen aus meiner Westentasche und nun stimmt’s endlich. Zwischenzeitlich kommt eine neue Kundin, die ich flüchtig kenne und wir begrüssen uns. Wie ich letztendlich zusammenpacken will, sagt die Verkäuferin: „Ihr Zehner!“. Den hätt ich beinahe liegen lassen. Gerade als ich ihn in das dafür vorgesehne Abteil in meinem Portemonai schiebe, meint die Kundin: „Sonst hätt ich ihn genommen“. Sie lacht dabei. Gut, ich streck ihr mein offenes Portemonai hin und lade sie ein, sich doch zu bedienen. „Nein, nein so war’s nicht gemeint!“. Auch gut. Aber kurz bevor ich mein Portemonai in die Hosentasche steckenkann, sagt die Verkäuferin: „Und sonst ich!“. Auch sie lacht dabei. Ich Portemonai raus, öffne es ein weiteres mal und streck es ihr ebenfalls über den Thesen entgegen: „Bitte bedienen Sie sich!“ Dieselbe Reaktion. Ein peinliches, zurückschreckendes Abwinken. „Was nun?!?“ erwidere ich. „Zuerst wollen und dann doch nicht!“ „Ja René“, flötet die Kundin, „so sind die Frauen halt!“.
Dies kann ich nun wirklich nicht so im Raume stehen lassen und ich erzähl den beiden Frauen die Geschichte von Karin Freitag, einer Bankangestellten, die mal ne komische Geschichte erlebte (Das Magazin 47-2006). Einmal sei ein Mann an ihren Schalter gekommen, der sagte: „Ich hätt gern 500 Franken.“ „Das hätt ich auch gern“, antworte sie schnippisch. Er: „Okay, dann buchen Sie 1000, und wir manchen halbe-halbe.“ Das habe sie gemacht, aus Jux natürlich, und ihm nur 500 ausgezahlt. Sie wollte schauen, wie er reagiert. Doch er bedankte sich bloss und ging. Da kam sie ins Schwitzen. Sie hätte gedacht, sie sei die Coole. Natürlich habe sie ihm die 500 wieder gut geschrieben. „So war das aber nicht gedacht“, meinte er, als sie ihm kurz darauf begegnete. Sondern als Trinkgeld dafür, dass sie so keck gewesen sei. Irgendwie machte der Mann ihre Daten ausfindig und überwies ihr das Geld.
Die beiden Frauen in der Bäckerei hören sich die Geschichte fasziniert an. Die Verkäuferin und die Kundin sind sich einig: „Ja, bei 500 Franken hätte ich es genommen.“
Schizophren oder?
Gute Nacht.
Ach, das Rätsel! Sie erinnern sich an den Mann am Bankschalter. Ja, der, der 500 Franken (das sind über 300 Euro!) einfach so an rotznasig freche Bankgören verteilt. Was war seine Nationalität? Drücken sie auf „kommentieren“ und sagen Sie mir spontan, woher Sie denken, der Mann kommt (nein, es ist kein Schweizer). Ich werde das Rätsel nach Erhalt ihrer Antworten im BLOG publizieren.
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ergänzt am 05.02.2007
um 10:55:
Weltbilder sind Voreingenommenheiten! (Und Rätselauflösung) |
| „„es war mit Sicherheit ein Amerikaner, denn seit Bush sind die alle schizogroßzügig.........“
„Ein viel größeres Rätsel als die Frage nach der Staatigkeit des Mannes ist warum Du darauf tippen lässt, soll der Leser hier auf seine Vorurteilswissen zurückgreifen oder einfach nur tippen? Ich setz jedenfalls 10 auf einen Bürger aus Barain (wegen der Aussenseiterquote).“
„köstlich!!!! Es ist kein Schweizer, hm, dann vermute ich fast dass es ein deutscher "Steuerflüchtling" ist ..., da kann er in der Schweiz locker 500 Franken verschenken, gel bei seinem ‚Erspartem’.“
Genau um Voreingenommenheiten zu illustrieren ging es mir. In Deutschland lautete die Antwort all zu oft: „ein Deutscher bestimmt nicht!“ Und wenn ein Deutscher, dann muss es ein ganz außergewöhnlicher gewesen sein. (Wussten Sie übrigens, dass neben Steuerhinterzieher ein Grossteil der Zahnärzte, des Plfege- und Gastronomiepersonals und neben psychiatrischen Fachleuten zunehmend auch der Spitzenbeamten in der Schweiz aus Deutschland kommt? Dass die Schweiz der beliebteste Auslandarbeitsort für Deutsche ist?)
Die Schweizer antworten auf die Frage genauso prognostizierbar: sehr zurückhaltend, dezent – lieber „weiss nicht“ sagen als das falsche und so füttert der Einzelne oftmals kollektive Voreingenommenheiten, die weit von der Wahrheit des Individuums liegen.
Ja, es war ein Deutscher. Wirklich! |
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