| Wir haben eine Wahl. Gut, Sie können sogar das in Frage stellen, wenn Sie mögen. Dann sollten Sie nicht weiter lesen, denn auf dieser Prämisse ist dieser Blog-Eintrag aufgebaut.
Handkehrum, haben wir ja eigentlich keine Wahl, oder? Die Welt nur nüchtern, emotionslos zu betrachten, die Geschichte als eine immer fortwährende Wiederholungsübung zu interpretieren, der Menschheit jegwelche Lernfähigkeit abzustreiten, sie als darwinistisches Kapitalismus-System anzuschauen und Entwicklungen – vor allem die positiven – als bedeutungslosen Zufall abzuschreiben, das ist doch nun wirklich keine Wahl. Also für mich, der Realismus und Pessimismus als Zwillinge mit feigen Charakterzügen sieht, für mich ist es keine Wahl. Das Glas ist definitiv halb voll. Aber bitte sehr, Sie können denken wie Sie wollen. Und ich darf damit leben, dass man mich als Gutmensch und Weltverbesserer bezeichnet. Einzig beim Blauäugig, da erhebe ich Einspruch. Wegen meinem südländischen Einschlag.
Ich bilde mir ein, dass die Ausschau nach guten Nachrichten, die Suche nach zuversichtlichen Berichten und positiven Entwicklungen nicht nur gesund sondern auch spassig ist. Und wie das so ist, Sie kennen das bestimmt, wenn Sie was beschäftigt, dann scheint die ganze Welt sich damit zu befassen. Schwangere sehen lauter Schwangere, Griesgrämigkeit schafft …..
So kommt es wahrscheinlich, dass ich im Blog über Glaubenssysteme schreibe, die sich beim Ungeborenen schon im Mutterleib bilden und prompt lese ich als nächstes ein Interview mit einem Mann, der das auch sagt. Allerdings beschäftig er sich mit etwas ganz anderem und – auch das ist eine symbiotische Fügung meiner Welt – etwas noch viel bedeutsameren, nämlichen den positiven Aspekten dieser Beobachtung und damit, dass ein kollektives Bewusstsein in der Menschheit heranwächst, welches Kooperation und Empathie fortwährend weiter entfalten lässt.
Da ist einer, der den Fortschritt der Menschheit darin sieht, dass wir vermehrt miteinander lernen umzugehen. Er negiert dabei Geschehnisse wie Genozid und Holocaust keinesfalls. Er sagt lediglich, dass ein starrer Blick auf diese Grausamkeiten ein Gesamtbild der Menschheit verunmöglicht und dass unter dem Strich, heute, es so aussieht, dass das Experiment Menschheit sich in besseren Bahnen bewegt als schlechthin angenommen.
Spannend fand ich die offensichtlichen Widerstände, die sich beim Fragesteller regten. Immer wieder betonte er, dass Mitgefühl ja nichts koste und implizierte damit, dass es somit doch nicht viel wert sein könne. Mir scheint, das ist ein klassischer Blick auf das halb leere Glas. Das mag gelegentlich durchaus berechtigt sein, mitunter damit sich die andere Seite mit diesem Blick erkennbar machen kann. Es geht auch anders.
Dass immer mehr Naturwissenschaftler, Psychologen, Politiker und Ökonomen (zu den beiden letzten Kategorien gehört der Befragte in besagtem Interview) über den Tellerrand hinaus schauen, empfinde ich persönlich als ungeheuerlich motivierend. Dass es Menschen gibt, die mit Passion z.B. an einer Initiative für bedingungsloses Grundeinkommen arbeiten, ermutigt und bestätigt mich, dass ein potentiell neuer Mensch sich am entwickeln ist, wie er zuvor möglicherweise nie existierte.
Schon fast ekstatisch fühle ich mich, wenn ich die Vielseitigkeit und Unterschiedlichkeiten der Engagements weltweit sehe, die zusammengefügt ein sehr optimistisches und damit mutiges Bild für die Zukunft malen.
PS Hier das Interview mit Jeremy Rifkin unter dem Titel „Wir müssen uns neu überlegen, was uns wirklich glücklich macht“.
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