René Vögtli B.L.O.G. 
 
 
 
03.03.2010 um 10:02:

Buben fördern?

In Angesicht der vielen Berichten wie sehr Buben benachteiligt, Mädchen in der Pädagogik bevorzugt werden – und das zieht sich durch zu den älteren Kaliber (ein Querverweis auf das Weibliche, das mehr wert ist als das Männliche sei hier gestattet) – geht ein Aufschrei durch die Gesellschaft, dass diese Ungerechtigkeit abgetan werden soll. Wenn Männer allerdings aus der Verletzung heraus etwas dagegen tun, dann ist es oft in zweierlei Hinsicht gefährlich. Zum einen reagiert mann dann schon mal aus einer Opferbewusstseinshaltung heraus; beides – unbeherrschte Reaktion und Bewusstseinshaltung – sind in der Regel wenig konstruktiv, sondern eher ganz gegenteilig; mögen sie menschlich noch so nachvollziehbar sein und sogar vermeintlich irgendetwas kurzfristig bewirken. Zum anderen übersehen wir Männer gelegentlich, dass das Patriarchat tatsächlich über Jahrtausende hinaus die Unterdrückung des Weiblichen kultiviert hat, dass in diesem Zusammenhang weder genügend Sühne noch Wiedergutmachung getan ist. Das erklärt vielleicht, dass der Aufschrei keineswegs sehr laut ist, schon eher ein Murmeln. Wieso ich dies alles hier festhalte? Nun, wenn Sie, werte Leser, bei Gelegenheit mal wieder von jemand wie Madonna hören, die in Afrika „die Schulbildung von Mädchen fördert“, trauen Sie sich ruhig zu hinterfragen, wie gerecht dies ist. Gehen Sie doch gleich noch einen Schritt weiter und fragen Sie sich in wie weit solch einseitiger Fokus gar dem höher gestellten Ziel entgegenwirkt. Was meinen Sie, wie wird sich später der herangewachsene und unterprivilegiert ausgebildete Teenager-Bub fühlen? Genau. Unterdrückung – jegwelcher Druck – kreiert zuerst mal Gegendruck und da er ja das Wesentliche noch nicht gelernt hat und die Privilegien des Gegners (nein, das ist kein Vertipper – es handelt sich ja nicht um ein gleichwertiges Gegenüber und die Denke des Jungen hat sich ja nicht geändert sondern alte Muster wie „der Stärkere gewinnt“ sind mit umgekehrten Vorzeichen bestätigt) neidisch betrachtet, was glauben Sie wird er tun? Und jetzt, wo Sie das in Afrika sehen, fällt es einfacher dieselbe Dynamik im eigenen Vorhof zu sehen. Das Wesentliche scheint mir ein gerechter, fairer Umgang miteinander, den wir beide, Männer und Frauen, auf Augenhöhe anstreben. Und das ist nicht erreicht, wenn wir die eine oder andere Seite bevorzugt fördern, sondern beide und zwar unter Berücksichtigung ihrer inhärenten Eigenschaften, die gleichermassen wertvoll sind. Interessanterweise ist dieser Gedankengang von einem Interview ausgelöst worden, welches ich am Wochenende unter dem schönen Titel las „Ein gutes Leben für alle“ mit dem Philosophen Peter Singer. Wie das Leben so spielt. Gestern entwarf ich obigen Blog-Eintrag und heute finde ich ein kurzes Interview mit dem Bremer Soziologe Gerhard Amendt zum Thema. Titel: «Der Feminismus vergiftet das Klima». Provokanterweise fordert er gar die Schliessung von Frauenhäusern und bezieht sich auf Studien, dass eine höhere Rückfälligkeit an Gewalthandlungen besteht, wenn das Opferbewusstsein von Frauen mit solchen Institutionen unterstreichen wird (und der damit verbundene Schutzinstinkt des Mannes weckt, den er oft missinterpretiert und krankhaft auslebt). Langfristig mag das so sein, kurzfristig denke ich braucht es die Frauenhäuser – leider – nach wie vor. Und, als Mann, bin ich nicht stolz darauf.
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