| Ist es Ihnen aufgefallen? Sogennante „Heuschrecken“ haben früher Firmen aufgefressen und heute gibt es Spekulanten, die auf das wirtschaftliche Chaos eines ganzen Landes und deren Untergang spekulieren und dass darin kaum ein Unterschied besteht? Nur eine Zuspitzung, ein Zu-Ende-Denken. Gut, noch nicht das ganz grosse Ende, zuerst kommen noch Kontinente und dann der Planet und dessen Weltwirtschaft, die man selbstverständlich eh als zusammenbrechbar erachtet und somit bewettbar ist.
Klingt ein wenig zynisch? Nicht halb so sehr wie ein Kommentator gestern sagte, die Spekulanten nutzen lediglich bereits bestehende Trends aus und beschleunigen sie damit. Ein Fachmann wohlverstanden – nicht etwa ein Stammtischprahler. Er machte im selben Atemzug jeden zum Spekulanten, der z.B. für seine Amerikareise Dollars jetzt kauft weil er jetzt sein Budget berechnen muss und die Reise mit einem anderen Kurs in 2 Monaten teurer und damit nicht mehr finanzierbar werden könnten. Dabei überschaut der Fernsehmensch gänzlich, dass die Dollars auf der Reise im Sommer verkonsumiert werden. Sie dienen nicht einer spekulativen Bereicherung, ja, unser USA-Reisende geht gar das Risiko ein, dass die Währung in die andere Richtung kippt und er im Sommer mehr Dollars für seine Euro bekäme als er es heute in Deutschland tut. Das sind zwei fundamental unterschiedliche Intentionen. Mal abgesehen von der Grössenordnung.
Und dass die Grössenordnung wichtig ist, hat man vor wenigen Tagen gesehen als die Börsen zusammenkrachten, weil einer 6 Nullen zuviel bei einem eh schon sehr hohen Betrag eintippte.
Der Spekulant wettet auf den Verlust eines anderen. Und damit hört er oftmals nicht auf. Er bewegt alles, um sicherzustellen, dass seine Rechnung aufgeht, er versucht das Risiko einer für ihn gegenteiligen Entwicklung zu minimieren. Alleine mit den Massen ist das schon sehr gut beeinflussbar, wenn auch noch nicht definitiv steuerbar. Vor 30 Jahren haben mein Chef und ich uns jeweils diebisch gefreut, wenn wir Währungsschwankungen beobachten konnten, die als Konsequenz unserer Geschäfte geschahen. Beispiel: angenommen, wir wussten, dass wir in 2 Monaten eine Schiffsladung teurer Mineralien nach Deutschland verkaufen würden und der Kunde mit DM zahlen wird. Als Schweizerfirma würden wie die DM danach in Franken wechselnmüssen, weil unsere anderen Geschäfte in Franken getätigt werden. Die Banken garantierten im Mai den Wechselkurs im Juli (gegen ein nicht ganz so kleines Entgelt natürlich). Da wir teilweise sehr hohe Beträge auf diese Art abdeckten, hatten unsere Transaktionen einen Einfluss auf die Kursentwicklung (des DM). Diese Reaktionen waren dann auch relativ gut voraussehbar. So weit so ethisch.
Unethisch wäre es geworden, wenn mein Chef nun zum Beispiel im Wissen dieser bevorstehenden Transaktion auf ein Sinken des DMs im Juli spekulieren würde. Offensichtlich ist es unethisch, weil er Insider-Wissen missbrauchen würde. Nicht nur das. Genauso unethisch ist es eine Entwicklung (z.B. eine Kursfluktuation) herbeizumanipulieren und dann Profit daraus zu schlagen, Geld zu machen. Und genau da liegt das Problem.
„Geld machen“ wurde zum Credo, welches das Mittel heiligte. Der Held im 80er Film, Gordon Gekko, proklamiert „Gier ist gut.“ Er argumentierte darwinistisch (der Stärkere überlebt). Die Werkzeuge wurden raffinierter: früher hiessen sie Junk-Bonds, später Hedge-Funds. Am Prinzip hatte sich nichts geändert.
Und wenn wir nichts am Prinzip ändern, so wird diese Schraube einfach weiterdrehen. Es geht schlicht nicht anders. Deshalb wird das Euro-Hilfspaket sich als Erstehilfe-Pflasterdrauf-Übung entpuppen, das langfristig gornix ändert, wenn nicht – und das ist die Hoffnung – in der Zwischenzeit prinzipielle Änderungen angegangen werden.
Welche prinzipiellen Änderungen denn? Kooperation, Abschied vom Wirtschaftswachstum (Focus-Titel 1.3.2010), allgemeines Grundeinkommen, Werte/Wertgebungen, Zivilcourage gegen das Ende des Raubtierkapitalismus anzugehen……. um einige, wenige Stichworte spontan aus den Fingern flutschen zu lassen. Im Grunde beschäftige ich mich ja mit den meisten meiner Blogeinträge mit Änderungsvorschlägen. Und so wird das auch in Zukunft sein. Watch this space.
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