René Vögtli B.L.O.G. 
 
 
 
07.02.2007 um 12:11:

Buten un binnen - Wagen un winnen

Kürzlich in Bremen erzählte ich Kollegen, dass ich nun Beweis dafür habe, dass ich in Norddeutschland von einem Exoten-Bonus profitiere. Dass ich als Schweizer mit meinem skurrilen Hochdeutsch eben irgendwie das Gegenteil vom „Prophet im eignen Land“ sei. Wenn nicht Beweis so doch ein Indiz dafür ist die Tatsache, dass meine Texte häufiger in Deutschland gelesen werden als in der Schweiz. Ich sinnierte weiter und meinte, dass ich mir vorstellen könne, dass die Umdrehung derselben Beobachtung auch auf meine Kollegen zutreffen könne. Worauf mein Blick auf die Speisekarte vor mir fiel und ich den Leitfaden des Restaurants (Überschrift) las, der übersetzt so viel bedeutet wie: „In der Welt und Zuhaus - Wagen und Gewinnen“. Einer der äusserlich manchmal so trocken erscheinenden Hanseaten konnte sich gar nicht vorstellen, dass er z.B. in der Schweiz irgendwie besonders gut ankäme. Er war dann überrascht als ich ihm sagte, dass viele Schweizer den flink und eloquent daher redenden Deutschen gegenüber eine Art Minderwertigkeitskomplex haben. Ein kleiner Sprung, dann komme ich wieder zum Thema zurück: kürzlich bestätigten sich nationale Voreingenommenheiten in den Antworten zum letzten Rätsel und ich bemühte mich im letzten Blog-Eintrag deren Irrsinn aufzudecken und erzählte, dass viele ehrenwerte Bürger unseres nördlichen Nachbarn bei uns zu Hause sind und vergass zu erwähnen, dass sogar der beste Alphornkomponist scheints ein Deutscher sei. Was steht heute im Tagesanzeiger mit der Überschrift: „Die Deutschen sind da“? Nun, zum einen räumt der Kommentator mit Voreingenommenheiten auf und fährt fort: „Immerhin sind die Nachbarn nachweislich schneller, lauter und zahlreicher. Und Hochdeutsch können sie auch besser, wogegen nicht einmal der Dialekt richtig schützt. Wenn sie jetzt in Massen herkommen, nicht bloss, um im Engadin zu wandern, sonder um zu arbeiten, Steuern zu zahlen und Renten zu kassieren: Kann das gut gehen? Tut es.“ Danach zeigt er auf wie das Zusammenleben und –arbeiten von Schweizern und Deutschen harmonisch verläuft. 2005 wanderten 20460 Deutsche in der Schweiz ein, so viele wie aus keinem anderen Land. Jetzt frag ich mich natürlich – und damit komme ich zum Anfang dieses Eintrages zurück – ob ich in Bremen nicht vielleicht die Bekehrten zu bekehren versuchte.
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