René Vögtli B.L.O.G. 
 
 
 
16.11.2006 um 14:01:

Konversation zweier Männer

(Skypechat) [09:58:55] René: na, wie läuft es bei Dir, mein lieber Rafael? [10:04:29] Rafael: bin immer dran - habe einige interessante Kontakte, aktuell 2 Mandate, 1 Mandat abgeschlossen - jetzt warte ich auf die Bezahlung (seit über 2 Monaten ....), ansonsten gut - bei Euch? [10:29:13] René: sehr gut; es läuft manchmal wie ohne Effort und dort, wo's harzt sind wir dran. Noch sind wir mitten im Endspurt dieser Saison, aber meine Frau plant schon Schiferien oder wirds wohl doch ein Wellness-Aufenthalt (ich würd gerne zum Tauchen nach Neuseeland und dort noch meine neu entdeckte und bislang noch nie getroffene Halbschwester kennen lernen - muss aber wohl noch ein Weilchen warten.) [10:34:45] Rafael: Ferien liegen bei uns vorläufig nicht drin - aber das wird auch wieder kommen. Halbschwester? - wie kamst Du denn dazu? - wenn Du Zeit hast können wir kurz skypen ... [10:37:27] René: ich schrieb mein Buch Weltverbesserer, entdeckte dabei, dass ich nichts von meinem biologischen Vater wusste. Meine Forschungen ergaben, dass er 1988 starb und eine Witwe mit Kindern hinterliess; somit habe ich neugefundene Halbschwestern und -Bruder. Ausser jener in Neuseeland habe ich alle schon getroffen. [10:38:44] Rafael: interessant - wie gehst Du damit um? [10:43:37] René: Ich habe meine Beziehung mit meinem Vater ins Reine gebracht und wurde mit neuen Geschwistern, die ich liebe und die mich genauso lieben beschenkt. Ich fühle mich riesig bereichert. Und sie sagen dasselbe. Allerdings war der Prozess nicht ganz ohne Schmerzen, denn im ersten Moment sah ich eine lange Sehnsucht erfüllt, die Sehnsucht zu einer Familie zu gehören. Im Eifer musste ich dann erkennen, dass es "nur" Halbgeschwister sind und dies nicht dasselbe ist wie Geschwister vom selben Vater und Mutter. Vor allem war dies eine schmerzhafte Erkenntnis, was meine anderen (Halb-)Geschwister mütterlicherseits anbelangt. [10:47:51] Rafael: kann ich mir vorstellen - "beschenkt" ist treffend formuliert. Und es ist wieder etwas anderes, wenn man zusammen aufgewachsen ist. Das sind unterschiedliche Bindungen - Verbindungen! ich glaube aber das wissen um gemeinsame Wurzeln macht es doch aus - oder? [10:57:33] René: Das sind interessante Fragen. Ich bin mir nicht so sicher, wie ausschlaggebend gemeinsam erlebtes, zusammen aufwachsen (von denselben oder unterschiedlichen Eltern) wirklich ist. Ohne Zweifel sehr prägend, bindend (!?!) - aber die biologischen Wurzeln werden - meiner heutigen Meinung nach - oft zu wenig beachtet. Deshalb haben Adoptivkinder oft ein Bedürfnis, ihre „wahren“ Eltern zu finden – vor allem in der späteren Pubertät. Ich erachtete mich komplett im Reinen mit meinen Zieheltern und mit meiner biologischen Mutter, mit denen ich zusammen aufwuchs, die ich kannte. Somit war für mich das Thema Elternbeziehung abgehakt. Der Erzeuger, der nach dem Akt der Zeugung das Weite gesucht hatte, den ich nie kannte, der nie da war, war somit auch kein Thema. Meinte ich. Und irrte mich. Und das erkannte ich beim Schreiben von Weltverbesserer. [11:03:00] Rafael: ist es nicht auch eine Frage des Alters resp. der Reife - stellst du heute nicht Fragen, die früher gar nicht relevant resp. nicht existent waren? Sind einem heute nicht auf einmal Dinge wichtig, die früher kaum beachtet wurden? Oder liegt es generell an der Distanz - räumlich zeitlich ... [11:12:42] René: Zeit ist eine Illusion. Ich mein das nicht nur als plakative Verallgemeinerung. Noch schlimmer ist die Vorstellung was Alter bedeutet. Aber natürlich stimme ich Dir zu, dass wir es so erleben wie Du es sagst. Aber ist das gesund? Ist es gut? Wären wir nicht besser dran, uns schon in jungen Jahren mit solchen Fragen auseinander zusetzen, um dann den Schmerz später nicht erleben zu müssen. Gestern erhielt ich einen panischen Anruf von einer engen Bekannten, sie hätte da so ein schlechtes Gefühl (ihr Vater war im Spital) und flippte förmlich aus vor Angst, dass er sterben könnte. Angst vor was eigentlich? Zum einen die Angst vor der eignen Trauer, vor der Veränderung für einen selbst. Zum anderen auch die Angst, noch etwas versäumt zu haben (z.B. mit den eigenen Eltern ins Reine gekommen zu sein, sie von ihrer Verantwortung entbunden zu haben, sie losgelassen, ihnen verziehen zu haben, usw.)? So was will ich nicht dem Alter überlassen. Deshalb setzte ich mich heute als junger Mann.... also gut: deshalb setzte ich mich mit meinen Söhne mit diesen Fragen in ihrem jungen Alter von 20 + 22 auseinander. [11:19:36] Rafael: ich kenne das Gefühl aus meine jungen Jahren - jemanden verlieren zu können. Ich konnte mir das nicht vorstellen. Bei mir war es so, dass ich erst mit 22 Jahren einen Familienangehörigen verlor (meine Grossmutter, sie war 96) - als Kind flösste mir die Vorstellung jemanden zu verlieren enorme Ängste ein. In der 4. klasse verlor eine Mitschülerin ihren Vater - für mich unvorstellbar. Obwohl ich keine überaus gute Beziehung hatte aber war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst). Doch du hast recht - Angst vor was eigentlich? - ist noch schwierig zu definieren. [11:20:36] Rafael: heute verschiebt sich das zu den Kindern - mir wäre es unvorstellbar einen zu verlieren .... [11:22:32] Rafael: aber auch da kann man sich fragen - warum eigentlich ....es ist eigentlich nicht die Angst der Tatsache an sich - sondern vor den Folgen (?) [11:26:44] René: genau! [11:35:57] Rafael: der Tod ist so etwas entgültiges - die Angst davor sollte einen aufrütteln um zu (be)reinigen [11:37:36] René: ja, auch das sehe ich genau so. Allerdings sehe ich noch zusätzlich die Motivation, dass es nach dem Tod noch irgendwie weiter gehen könnte und das möchte ich mit so wenig Ballst wie irgendwie möglich angehen. [11:38:22] René: Die Auseinandersetzung mit dem Tod und damit der eigenen Sterblichkeit ist ungemein Lebensbejahend. [11:50:45] Rafael: Meine Frau glaubt auch an Inkarnation - ich kann damit wenig anfangen. Wenn ich jedoch an das globale Bewusstsein, das Wissen denke, das über die Jahrtausende gewachsen ist, irgendwie weitergegeben wird - muss da schon etwas dahinter sein... Jetzt hatte ich gerade ein tel. von ihr - sie ist ganz happy – ihr Geschäft läuft einiges besser als meines. [11:57:00] René: mein Problem mit der Reinkarnationslehre war, dass sie zu einfach, zu logisch ist - welch Ungeheuerlichkeit, etwas zu verwerfen weil es einfach und logisch ist – welch Anmassung! Verbunden mit der Einfachheit/Logik kommen dann Simplifizierungen, die wenig mit der Lehre zu tun haben, so wie etwa "in einem früheren Leben war ich Sitting Bull". [12:00:25] Rafael: da werden ja Rückführungen gemacht und scheinbar kommt da was heraus - für mich aber problematisch. ich muss aber sagen, dass ich mich zuwenig damit beschäftigt habe - reine Bauchaussagen. Jetzt geht nach hause zum Mittagstisch. [12:01:54] René: Guten Appetit! Ciao. [12:02:32] Rafael: danke - tschüss
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