René Vögtli B.L.O.G. 
 
 
 
14.02.2007 um 22:58:

Leisten wir uns den Luxus, zu träumen...

denn ohne Traum keine Ziele. (Übrigens: diesen folgenden Artikel hatte ich in Vorbereitung vor meinem letzten Blog-Eintrag zur Ski-WM in Aare. Apropos Aare: haben sie gehört wie Niki Hosp im Interview zu Ihrer Goldmedaillie im Riesentorlauf gestern erzählte, dass sie vom Sieg die Nacht zuvor geträumt hätte? Womit wir wieder beim Thema sind.) Um Ziele zu erahnen, zu erkennen, ja sie zu benennen und beziffern, müssen wir zuerst träumen. Wir träumen von etwas grösserem als die Ziele, sie sind nur Etappen zum Traum, zur Vision. Somit ist das Träumen kein Luxus sondern eine dringende Notwendigkeit. Bei solchen Gedanken kommt einem unweigerlich Martin Luther King’s „I had a dream!“ in den Sinn. Um so mehr wenn man den heissesten Kandidaten für das Präsidentenamt der Vereinigten Staaten anschaut Barack Obama . Assoziationen mit Mahatma Gandhi und Nelson Mandela – beide Träumer, die die Welt verändert haben – kämen auch ohne deren Portraits in Obamas Büro auf. Aber halt! Wir dürfen nicht einfach so drauflos träumen! Zuerst müssen wir noch ein oder zwei Realitäten als Startrampe ins Bewusstsein rücken: 9/11. New York. Opportunisten ergreifen danach die Macht. Sie heissen Giuliani, Rumsfeld, Cheney, ach ja und Bush. Sie schreien: Rache! Zero Toleranz! Und wer nicht mitmacht ist ein Verräter! Und was passiert? Ein Echo hallt um den Globus, hielten doch in allen Hauptstädten der westlichen (!) Welt Menschen Plakate mit den Worten „wir sind alles Amerikaner“ hoch. Nach dem ersten Schock fragen sich im alten Europa schon einige, wie weit dies wörtlich gemeint sei und distanzieren sich vom Krieg gegen den Terror – ja sie sinnierten gar über dieses Unwort. Nicht so in Amerika: die Rabis und Denker, die Literaten und Philantrophen (das sollen Menschenfreunde, ja Fremdenfreundliche sein) die Liberalen und Erleuchteten, sie alle schweigen und lassen es geschehen. Sie schauen weg, stecken den Kopf in den Sand – entgegen besseren Wissens. Nun, das mit dem Wissen ist ja so eine Sache. Die Geschichte hat verschiedentlich gezeigt, dass „man“ nichts wusste. Zwischenzeitlich aber hat das 21. Jahrhundert begonnen. Es wird schwierig zu behaupten, man hätte nichts gewusst. Und noch etwas: Demokratien haben sich so weit entwickelt, dass sie einen Schutz sogar gegen den sogenannten Volkeswillen inne haben. Denn der Wille des Volkes (der Begriff Volk ist hier als fahrlässige Definition einer gewissen Mehrheit der Bürger eines Landes missbraucht) lässt sich ja bekanntlich manipulieren und steuern und das Ganze (Nation inklusive Minderheiten, usw.) haben im heutigen Verständnis das Recht, vor solch Pöbelhaftem geschützt zu werden. Ein aktuelles Beispiel ist, dass eine Mehrheit von Befragten in Deutschland dagegen ist, dass z.B. die RAF-Terroristin Monhaupt aus der Haft entlassen wird. Auch wenn derartige Meinung von einer Grosszahl von Menschen gehegt wird, darf sie nicht die Rechtmässigkeit eines demokratischen Staates ..... ich wag es kaum auszusprechen .... terrorisieren. Nun hat uns gestern Justitia als ausführendes Organ eines demokratischen Deutschlands gezeigt, dass sie das Ganze vor der Allgemeinheit schützt. Um es mit dem Schlusssatz des Kommentars im Tagesanzeiger auf den Punkt zu bringen: „Das heutige Deutschland ist nicht der faschistoide Staat, als den ihn die RAF sehen wollte. Die Freilassung von Mohnhaupt bezeugt die Festigkeit und Grösse der Demokratie in Deutschland.“ Und das ist doch der Stoff mit dem man Träumen kann. Wobei: dass das „alte Europa“ – schliesslich haben die alten Griechen ja die Demokratie erfunden – zu so einem zukunftsträchtigen Entschluss kommt, könnte man ja irgendwie erwarten. Wie ist es dann am anderen Ende der westlichen Welt, in Amerika, wo Zivilisation noch jungen Alters ist? Bevor wir mit unserem Traum beginnen können, gibt es da eine andere, hochaktuelle und brisante Geschichte, die sich entfaltet.... (Fortsetzung morgen – aber träumen sie doch schon mal von einer hoffnungsvollen Zukunft! Wie sonst soll sie kommen?)
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