René Vögtli B.L.O.G. 
 
 
 
06.03.2007 um 14:40:

Raubritter

Der Anglizismus für Leitlinien und Ethik im Unternehmertum lautet „Corporate Governance“. Josef Ackermann in Deutschland und Daniel Vasella in der Schweiz verdienen bis zu 300 mal mehr als ihre Angestellten. Das gibt zu diskutieren. In Deutschland und in der Schweiz. Deshalb, werte Deutscher Leser, übersetzen Sie einfach die folgenden Namen in Ihre Landessprache. Kürzlich sagte ein Freund, dass obiger Multiplikationsfaktor irrelevant sei, ein guter Manager soll gut verdienen. Er postulierte unter anderem, dass journalistische Empörung mit der Missgunst des Lesers zündle und dabei bedauerlicherweise vom eigentlichen Problem ablenke. Ich stimmte meinem teuren Freund vollherzig zu. Aber was ist denn eigentlich das Problem? Meine spontane Antwort darauf: die Habgier. Dann las ich heute die Tagespresse und meine Finger tippten plötzlich los. Mit aller mir möglichen Objektivität, aber HIER liegt Habgier weit vor Missgunst im Rennen. Ja, ist Vasella überhaupt ein guter Manager? Das wird HIER hinterfragt bzw. die Habgier zeigt schon wieder ihr hässliche Fratze. Ich würd gerne mal sehen ob in der Corporate Governance von Novartis ein Verhaltenskodex vorliegt und wie der im Verhältnis zu Novartis’ und Vasella’s Praktiken steht. Gesagt getan, ich hab mal gegoogelt: Novartis reklamiert eine Verbindlichkeit bezüglich Corporate Govenance. Die aber beziehen sich auf die Firmenstatuten, welche gar nichts von ethischen Grundsätzen sagen. Am Fussende bei den Jahresabschlüssen finde ich dann doch noch einen Verhaltenskodex für die Chefs. Eine Seite. Voll von Worthülsen, die man so oder ganz anders interpretieren könnt. Sehen Sie selbst: www.novartis.com. Gut, vielleicht hätt ich länger googeln sollen. Denn es geht auch ganz anders. Auch bei Grosskonzernen. Zum Beispiel bei ABB besteht der Code of Conduct aus 24 Seiten. OK, das ist zuerst mal Papier. Aber immerhin. Ach, und der Titel: der hat natürlich gar nichts mit den erwähnten Herren zu tun. Er reimt sich irgendwie auf „Brandstifter“. Ein Ausdruck, der unser Bundesrat Blocher kürzlich brauchte und von sich sagt, dass er es nicht sei. Eigentlich wollt ich darüber schreiben. „Raubritter“ ist mir in die Quere gekommen.
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