René Vögtli B.L.O.G. 
 
 
 
30.03.2007 um 11:31:

Befreiung vom Identitätskorsett

In einer Buchbesprechung in "die Zeit" macht der Autor (Amartya Sen: die Identitätsfalle) die Aussage: "Identität kann töten". Damit geht er zum Kern in der Frage nach Lösungen zum Thema Befreiung. Der Mann stellt sich selbst so vor: »Asiate, Bürger Indiens, Bengale mit bangladeshischen Vorfahren, Einwohner der Vereinigten Staaten oder Englands, Ökonom, Dilettant auf philosophischem Gebiet, Autor, Sanskritist, entschiedener Anhänger des Laizismus und der Demokratie, Mann, Feminist, Heterosexueller, Verfechter der Rechte von Schwulen und Lesben, Mensch mit einem areligiösen Lebensstil und hinduistischer Vorgeschichte, Nicht-Brahmane und Ungläubiger, was das Leben nach dem Tode angeht.« Dass er Nobelpreisträger und Professor an einer renomierten Universität ist, erwähnt er nicht mal. Übersetzen Sie das mal im selben Muster für sich selbst. Bei mir würde das so lauten: Abendländer, Doppelbürger Schweiz und Italien, Reiki- und LM-Lehrer, Dilettant auf politischem und psychologischem Gebiet, Autor, katholisch geschädigt und Pabst bewusst, Laizismus skeptisch und Verfechter der Demokratie und entschiedener Anhänger der EU, Mann, Humanist mit Gottesvorstellung, im Einsatz für die Befreiung eine jeden......". So könnte es weitergehen und ich bin überzeugt, auch Sie werden mit dem Satz enden, der Amartya Sen seiner Vorstellung zufügt: Diese vielfältige Vorstellung ist eine abkürzende Auswahl. Wir sind also farbenprächtige Individuen den Fähigkeiten eines Chamäleon. Beschreibungen von uns sind lediglich Momentanaufnahmen und haben eine Gültigkeit mit fraglichem Halbwertszeit. Vor allem ist ihnen ein riesiges Neuerfindungspotential inne und das ist ein ziemlich befreiender Gedanke.

ergänzt am 31.03.2007 um 19:28:

geht doch!

Der Zufall wille es, dass ich in Die Zeit vom 29.3. folgende Passage fand, welche im direkten Zusammenhang scheint mit Traum und vor allem mit der Befreiung von Identitätskoresettes: Es passieren Dinge, die vor Kurzem noch hergeholt, ja fantastisch zu sein scheinen. Hamas und Fatah hassen sich heftig weiter, aber nun innerhalb einer Grossen Koalition. Die Araber sind sich ausnahmsweise einig - und feiern das im saudischen Riad. Neu auch : Die Regierung Bush interessiert sich für Palästina-Diplomatie. die Israelis finden reizvoll, was die Saudis vorschlagen, muslimische Staaten stimmen im UN-Sicherheitsrat Saktionen gegen Iran zu. Ein Virus der Vernunft beginnt sich auszubreiten. Es geht um den israelitisch-palästenischen Konflikt, die Mutter so viler Plagen in der islamischen Welt. Seit 2000 standen die Zeichen auf Krieg oder bestenfalls auf sprachlose Scheidung. Nun hat die saudische Regierung einen alten Friedensplan entstaubt. US-Aussenministerin Rice wirbt vorsichtig dafür und fürs Reden überhaupt. Die EU-Präsidentin und Kanzlernin Merkel hat am Wochenende im Nahen Osten Ähnliches vor. Na, das sind doch schon mal gute Ansätze zu Lösungen.
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