24.10.2007 um
10:13:
Raum um durch zu schaun... |
| ...oder: Zeit für Durchblick.
Für Visionen braucht es Momente und Räume, welche die Sicht über den eigenen Tellerrand ermöglichen. Gestern Abend habe ich eine solche magische Zeitinsel besucht.
Eigentlich kann ich es mir nicht leisten Zeit zu vergeuden, habe ich doch so einiges auf meinem Teller. Aber wie sagte einst der Klavierlehrer meines Sohnes als die beiden Männer statt der Musikstunde Kaffeetrinken gingen: Zeit investieren, um Zeit zu gewinnen.
In diesem Sinne war ich gestern im Zirkus Nock (7. Generation!).
Im Eingangszelt spielte schon die Kapelle. Stehend, zum Greifen nah tschäpperte sie blechern. Wie eine Dorfkapelle aber unsteif und mit einem Flair der Fahrenden. Kleine, freche Soli vertrieben plötzlich Provinznostalgie und die Herumstehenden hörten Dixie Klänge, die Ihnen ein Lächeln entlockten. Nicht wenige fingen an, mit den Füssen zu wippen. Hätte ich genauer hingehört, hätte ich wohl den Zauber schon erahnen können, den die Musiker später über der Manege verbreiten würden.
Die unzeitgenössischen Tiernummern erinnerten an eine Kindheit ohne Fernsehen und mit seltenen Zoobesuchen, an eine Zeit wo ein Zebra noch ein exotisches Wildtier und nicht ein gestreifter Esel war, wo Löwen und Tiger furchterregende Raubtiere waren und nicht bemitleidenswerte, vom Aussterben bedrohte Wesen. Dass ein Zirkus Traditionen hegt, ist nachvollziehbar. Dass die Tiernummern im Vergleich zu Nummern mit Menschen wenige sind, stimmt versöhnlich.
Aber die Jongleure und Clowns, Akrobaten und Artisten unter der Kuppe! ...... berauschend, bewegend, hypnotisierend, atemberaubend.....! Es fallen mir nur kitschige Floskeln ein, die dem Leser in keiner Art vermitteln können wie aufregend schön mein Zirkusbesuch gestern war. Ich kann nur sagen: gehen sie dringend mal wieder in den Zirkus!
Durch das ganze Programm floss eine Poesie, die – so nehme ich an – das wunderbare Werk von Alexandra Nock (Artistische Leitung, Choreographie und Programmkonzept) ist, die – und das macht das Ganze noch besonders sympathisch – auch im Souvenirverkauf anzutreffen ist. |
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ergänzt am 24.10.2007
um 18:08:
Zeitinsel |
| Hallo René
Ein schöner Beitrag, erinnert er mich doch gleich an meinen letzten Besuch im Zirkus.
Die magische Zeitinsel, welch schöne Beschreibung für so etwas wunderbares wie die Welt des Zirkus. Ich besuchte letztes Jahr die Vorstellung von Salto Natale. Salto Natale kennt keine Tiere, dennoch ist es faszinierend. So war Marco Rima der Gastgeber. Marco Rima ist einer derwenigen Komiker, die mich wirklich zum Lachen bringen kann. Aber zurück zur Zeitinsel ...
An diesem Abend wurde mir auch so einiges klar und ich werde dies als unvergessliches Erlebnis behalten dürfen. So sah ich den Augen den Tänzerinnen die Leidenschaft, Ihre Hingabe, Ihre Liebe und Ihr volles da sein für das was Sie tun und Leben. Oder auch der kleine Junge, der nichts sagte und mit Seinem Spiegelbild eine Reise unternahm... eine Reise, durch seine eigene "Traum"welt. Wie er traurig war als er sich wieder davon verabschiedete. Ja, die Zeit schien nicht mehr da, an diesem Abend. Der Moment der Ewigkeit setzte für einen kurzen Augenblick ein.
In diesem Augenblick als ich das Feuer in den Augen der Tänzerinnen sah, in dem Moment als der Junge kam, erkannte ich, das ich einen Teil meiner Natürlichkeit zurück bekommen hatte. Meine Gabe mit meinem Herzen zu sehen.
Ich fühlte mich wieder als kleiner Junge, der mit der kindlichen Unbeschwertheit, mit dem Funkeln in den Augen, fasziniert staunte, bewunderte und sich in der Zeit verlor. Die Zeit, für den einen Moment, die Ewigkeit.
Ganz liebe Grüsse
Markus Gasser
markus@dynamic-computers.ch
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ergänzt am 26.10.2007
um 10:54:
und noch ein Mann! |
| gerne erhalte ich Kommentare zu meinem Blogeinträgen. In der Regel publiziere ich sie nicht, beantworte sie stattdessen persönlich oder lasse mich durch sie zu etwas Neuem inspirieren. Meine Zirkusnummer entstand ganz spontan und schneite eigentlich in einen Prozess rein (den Faden von Mutter Theresa zu Vision weiterzuspinnen). So überraschte mich die anmutenden Reaktionen von zwei Männern, nicht zuletzt deshalb weil sie eben von Männern kamen. Den einen habe ich bereits veröffentlicht und der andere folgt nun:
Lieber René,
War letztes Jahr im Circus Knie, ich muss da immer fast weinen, obwohl ich normalerweise die Tränen nicht zuvorderst habe, so rührt mich die Circus Welt und die tolle durchorganisierte Show. Da gibt es bei den Tieren vor allem Pferde und Elefanten, da bin ich immer ganz fasziniert wie diese Tiere in der kleinen Manege Dinge tun, die sie, so glaube ich, normalerweise nicht tun. Ich hab da den Eindruck, der Umgang der Dompteure mit ihren Tieren ist sehr geduldig und "tierisch".
Cosima war damals 2.5 Jahre alt und ist die ganze Zeit still gesessen, so beeindruckt war das kleine Energiebündel. Sie erzählt heute noch vom Clown "Fredi Hinz und Debbie Mötteli“.
Ja ich freue mich, dann nächstes Jahr mich wieder in einem Cirkus von der Magie des Cirkus anstecken zu lassen, und ganz nah zu mir selber zu kommen, Nahe der Freudentränen...
Thomas Ulrich [tomulrich@hispeed.ch] |
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