René Vögtli B.L.O.G. 
 
 
 
15.11.2007 um 18:15:

Horizonte und Träume

Vision hat auch mit der Grenzenlosigkeit der Träume zu tun, dem Horizont und dessen, was uns darüber hinaus denken lässt. Den Worten Horizont und Traum bin ich letzter Zeit oft begegnet. Jeder Theater-, Museums- oder Konzertbesuch biete Inspiration, über den eigenen Tellerrand hinweg zu sehen. In München sah ich „den Hässlichen“, in dem das Thema Schönheitsideal und der damit verknüpfte Identitätsverlust aufgegriffen wird. Dem Hässlichen wird durch einen kosmetischen Eingriff ein „schönes“ Gesicht aufgesetzt. Ein Gesicht das Mode macht und den Mann damit zur Gesichtslosigkeit verdammt. Masken, Larven werden zum Kerker der Persönlichkeit. Neben der Aktualität des Themas war ich besonders von den improvisatorischen Fähigkeiten der Schauspieler beeindruckt. Sogar der enge Rahmen eines Bühnenstücka kann durch individuelle Spontaneität und Mut gesprengt werden. Im Zentrum Paul Klee in Bern sah ich dokumentiert wie ein Mann seit Kindsbeinen und entgegen ungeheuerlichen Widerständen (inklusive dem Faschismus des 3. Reiches) seinen Traum als Zeichner und Maler beharrlich bis zu seinem Lebensende folgte. Letzten Mittwoch war ich im Sinfoniekonzert (Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 9). „Beyond the horizon“ stand gross auf dem Programm. Danach sprach ich mit meinem Freund Walter, Solobratschist im Orchester. „Da habt Ihr aber echt zu tun gehabt heute Abend; dieser Gustav Mahler scheint alle Instrumente zu mögen.“ Die Fülle der Tonfarben und die Reichhaltigkeit an Klängen faszinierte mich und ich fragte meinen Freund, ob denn innerhalb der Partitur noch Platz für den einzelnen Musiker sei, selber zu interpretieren, zu spielen. Zu meiner Überraschung bejahte er und komplementierte die souveräne und damit grosszügige Haltung des Dirigenten Jonothan Nott. Vielleicht liebt Luzern Herrn Nott deshalb so sehr. MittWortsMusik ist ein Wortkonstrukt abgeleitet von der Idee jeweils Mittwoch Mittags kreative Pausen zu gewähren, in denen Wort und Musik in einem spirituellen Kontext zusammen spielen. Neue und ungewohnte Text- und Musikkombinationen werden neben bekannten angestrebt. Sogar in der Kirche wird zu neuen Horizonten aufgebrochen. Gestern hatte mein Sohn Geburtstag. Auf der Karte, die er von meiner Mutter erhielt, stand: „Die Zukunft gehört jenen, die an die Schönheit ihrer Träume glauben.“ (Eleanor Roosevelt) und darin: „Folge Deinem Traum. Alles was Du Dir erträumst, kannst Du erreichen.“ Wie zufällig erhielt er von einem Norwegischen Architekturprofessor eine CD: „In Praise of Dreams“ (Jan Garbarek). Übrigens: ich persönlich erachte jeden der hier erwähnten Personen als visionär, das heisst mitunter auch, sich voll einer Passion hingeben zu können.
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